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Es war einmal...

...in Guildford, Ende 1973. Jet Black, ein Geschäftsmann, hatte die Nase voll hat von seinem Off-Licence Laden und seiner Eisverkaufswagen Flotte. Er erinnerte sich an seine Jugendjahre zurück, wo er als Schlagzeuger in diversen Jazz- und Popformationen gespielt hatte. Jet kaufe sich ein Schlagzeug, fing wieder an zu üben und annoncierte in Musikzeitungen - bis er im Melody-Maker eine Anzeige fand.

“Drummer wanted”

Hugh Cornwell nahm nach seinem Biochemie-Studium einen Laborantenjob an der Universität Göteborg in Schweden an, wo er mit einem Schweden und zwei amerikanischen Wehrdienstverweigerern die Band Johnny Sox gründete. Von der Forschung und den Forschungsbedingungen enttäuscht, überredet er die Gruppe nach London zu ziehen um dort den Durchbruch im Musikgeschäft zu schaffen - der Schlagzeuger zog es jedoch vor in Schweden zu bleiben. Die Band stellte fest, das man wie für Einander gemacht war und Jet machte den Vorschlag nach Guildford in sein Off-Licence Geschäft umzuziehen, dort gab es genügend Raum zur Unterbringung und zum Üben.

Der Ehrgeiz von Jean-Jacques (JJ) Burnel war es zu der Zeit, nach Japan zu reisen und dort seine Kampfkünste in Karate weiter voran zu bringen [von dem Erfolg kann man sich in seinem Dojo bei Cambridge überzeugen, falls er nicht gerade auf einem Triumph Motorrad unterwegs ist...]. Kurze Zeit nachdem JJ als Anhalter von einer Band mitgenommen wurde, traff er den Sänger wieder. Die zwei Amerikaner waren nach einer Amnestie für Wehrdienstverweigerer in die USA zurück gekehrt und die Band stand nun vor dem Aus. Als ausgebildeter klassischer Gitarrist hatte JJ zwar nie eine Karriere als Musiker ins Auge gefasst, doch er kaufte Hugh einen alten Bass ab und hatte sich schnell auf ihm eingespielt.

Ein schwedischer Freund von Hugh, Hans Wärmling komplettierte dann Ende 1974 als zweiter Gittarist die Gruppe, die nun unter verschiedenen Namen durch die Umgebung von Guildford zog und mehr oder weniger erfolgreich Konzerte gab. Der Name der Gruppe wandelte sich noch von The Guildford Stranglers zu The Stranglers, Demos wurden aufgenommen - aber ein Plattenvertrag war nicht in Sicht. Hans [1995 bei einem Autounfall verstorben] kehrte zurück nach Schweden. Wieder wurde im Melody-Maker inseriert, dieses mal auf der Suche nach einem Keyborder.

“Keyboard/vocal man for soft rock band, Good gear essential”

Im Juli 1975 hatte die Band dann mit Dave Greenfield die bis 1990 unveränderte Besetzung gefunden. Durch Dave's Hammondorgel entstand der einmalige Sound der Stranglers, mit dem sie sich von den anderen Punk und New Wave Bands abhoben.

Es folgte ein Jahr mit fast täglich einem - oder auch zwei - Konzerten pro Abend. Dank eines Vertrags mit Albion, einer Konzertagentur, konnten sie auch in den wichtigsten Konzerthallen Londons spielen. So bekamen sie auch lukrative Supports, zum Beispiel für Patti Smith oder die Ramones, doch auch dank ihrer alten unzuverlässigen Ausrüstung ging jedesmal etwas schief, so das die anwesenden Agenten der Plattenfirmen wenig Interesse an der Band zeigten.

“£40.000 contract for another punk group”

So titelte der Londoner “Evening Standard” am 6. Dezember 1976 auf der Titelseite(!). Was war passiert? Albion hatte die beste Ausrüstung gemietet, die sie sich leisten konnten und Andrew Lauder, als Agent für United Artists tätig, kam endlich einmal in den „Genuß“ ein problemfreies „Live Set“ der Band in einem Proberaum zu hören. Die Stranglers hatten es geschafft - sie hatten einen Plattenvertrag, und die (Musik-)Presse ein neues Opfer zum wahlweise Beschimpfen oder Ignorieren.

Die Punk/New Wave Welle schwappte durch England und Europa und nahm die Band - vom Outfit und Gebaren her in dieses Schublade passend - mit. Doch als die Welle abebbte und eine Gruppe nach der anderen strandete, zeigten sich die wahren Qualitäten und die Wandlungsfähigkeit der Stranglers. So entstand beispielsweise der spätere Hit Strange Little Girl schon zu der Zeit mit Hans Wärmling. Die Kreativität und die kontinuierliche Variation ihres Stils erschloßen immer wieder neue Fangruppen und sicherten so das musikalische Überleben der Band.

Am 11. August 1990, nach dem Abschlußkonzert der „10“ Tour im Londoner „Alexandra Palace“, entschloß sich Hugh die Band zu verlassen. Er sah (für sich) keine musikalische Weiterentwicklung mehr in der Band. Das eher schwache Album „10“ erklärte Hugh zum Besten, was die Band hervorbringen konnte. Er wolle sich jetzt mehr seinen Soloprojekten und dem Schauspielen widmen. JJ, Jet und Dave sahen durchaus noch die Möchlichkeit zur musikalischen Weiterentwicklung und sie wollten weitermachen.

Strangers? Stranglers 2? More Stranglers?

Ein alter Bekannter der Band, John Ellis (ex Vibrators), der auf der Tour schon als zweiter Gitarrist dabei war, wurde nun ein „Vollzeit Strangler“. 1979 hatte er zusammen mit JJs Band auf der „Euroman Cometh“ Tour gespielt, ein Jahr später, während Hughs Inhaftierung, auch mit den Stranglers, und in den 80zigern spielten JJ, Dave und John als Purple Helmets zusammen. Interessanter Weise war schon vor dem Konzert von Jet und JJ überlegt worden, ob John nicht in die Band aufgenommen werden sollte.

Nach ein paar Probeaufnahmen, bei denen JJ den Part des Sängers ganz übernommen hatte, entschied sich die Band den Namen Stranglers weiter zu nutzen, jedoch sollte noch ein neuer Sänger gesucht werden. Vier potentielle Strangler wurden angehört. Dave Vanian (The Damned) und Ian McNabb (ex Icicle Works) waren entgegen vorheriger Überlegungen nicht dabei, Sill Willcox hingegen - der Produktionsmanager der Band - unterlag nur knapp einem weitgehend unbekannten Sänger.

Paul Roberts kam, stellte sich vor: „Ich bin euer neuer Leadsänger“, und bekam den Job. Mit seiner Art zu Singen und seinem Talent als Songwriter fügte er sich gut in die Band ein. Der Ausdruck der Musik wandelte sich, sie wurde mystischer, aber auch sozialkritischer als vorher. Durch Pauls agile, publikumsnahe Art und Johns exzellentes Gitarrenspiel lebte auch die Live-Performance wieder auf.

Nach fast zehn Jahre und vier Studioalben mit den Stranglers, verließ John die Band, um anderen Interessen und seinen Soloprojekten nachzugehen. Baz Warne (Smalltown Heroes) hat nun seit März 2000 seinen Platz übernommen.

die Geschichte wird fortgeschrieben...

Literatur:

Eine ausführliche Dokumentation der Bandgeschichte findet man in der autorisierten Biographie von David Buckley, erschienen 1997 bei Hodder & Stoughton:
Buckley, David;
No mercy: the authorized and uncensored biography of The Stranglers;
ISBN 0-340-68062-8

Bei SANCTUARY RECORDS ist im Jahr 2001 ein Buch von Hugh Cornwell erschienen, in dem er die wahren(?) Geschichten hinter den Texten der einzelnen Songs von “Rattus” bis “10” erzählt:
Cornwell, Hugh;
The Stranglers - Song by Song;
ISBN 1-860-74362-5; Paperback

Eine Biographie von Chris Twomey ist in der 'The Old Testament' 4CD-Box enthalten. Sie deckt die Anfangsjahre der Band bis 1982 ab.